Liebe KKVerinnen, liebe KKVer, verehrte Gäste.

Leider müssen wir auch die nächsten drei geplanten Veranstaltungen absagen. Der Vortrag von Herrn Schnäbler und die Maiandacht finden nicht statt, weil wir in unseren Veranstaltungsraum aufgrund der Coronapandemie nicht hineindürfen, was nachvollziehbar ist. Den Ausflug zum Kaffeemuseum und nachfolgender Freizeit in Emmerich können wir nicht machen, da die gastronomischen Betriebe, in die wir während des Aufenthalts in Emmerich einkehren wollen, aller Voraussicht nach auch am 26. Mai noch geschlossen sein werden.

Was mit den Veranstaltungen im Juni und Juli ist, werden wir abwarten müssen. Auch dann werden wir darauf angewiesen sein, in eine Gaststätte einzukehren. Ob das dann wieder möglich sein wird, steht heute noch nicht fest. Wir bedauern sehr, dass die Situation so ist, wie sie ist und ein Miteinander, wie wir es im KKV gewohnt sind, bis auf Weiteres nicht gepflegt werden kann. Wir haben deshalb unseren geistlichen Beirat, Pfarrer Klaus Grafe gebeten, uns seine Gedanken zur jetzigen Situation darzulegen. Das Blatt mit dem von ihm verfassten Text fügen wir bei.

Wir hoffen, dass Sie Alle die schwere Zeit gut bewältigen und wir uns demnächst wieder persönlich im KKV begegnen können.

Es grüßt Sie herzlich mit
Kreuzschiff voraus
Thomas Neef, 1. Vorsitzender

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Was weinst du denn?

… Am dritten Morgen stand er
im Garten des Gutes,
zu dem die Grabanlage gehörte,
vor einer fassungslosen Frau
und fragte sie:
„Was weinst du denn?“

Seither leben wir,
ob gläubig oder ungläubig,
in seiner Präsenz.
Christus lebt,
hier und heute,
wo immer ein Mensch ist und Schöpfung.
Er umgibt uns mit seiner unsichtbaren
Mächtigkeit und Gestalt,
so sicher wie Tag und Nacht,
worin wir gedankenlos und doch
existentiell leben.

Wir leben aus und in
seiner Auferstehung …
(Silja Walter)


Liebe KKVerinnen, liebe KKVer,
liebe Schwestern und Brüder!

In so manchen Briefen, die ich in diesen Tagen per Post oder Email erhielt, stand geschrieben: „In diesem Jahr wird Ostern ganz anders“.
Wir alle wissen, dass es tatsächlich anders war. Ein Virus beherrscht gewissermaßen die Welt, verändert unser Leben. Für uns als Christen ist es natürlich besonders schlimm, dass keine öffentlichen Gottesdienste gefeiert werden dürfen. Auch das gesellschaftliche Leben hat sich total verändert. Keine Reisen, kein Einkaufen im großen Kaufhaus, keine Verwandtenbesuche, keine gemütliche Kaffeestunde in irgendeinem Cafe, kein Händeschütteln, keine Umarmung, kein Hochnehmen und Liebkosen des Enkelkindes.....

Die damit verbundene Entschleunigung bietet aber auch Chancen: Nämlich sich auf sein Inneres zu besinnen, auf Herkunft und Ziel, auf Gott, aber auch das Weiten der Sinne für die Schönheit und Klänge der Natur. Aber machen wir uns nichts vor, es gibt auch viel Einsamkeit, Verzweiflung, wirtschaftliche Nöte, Gewalt. In dieser außergewöhnlichen Situation trifft uns das Wort der verstorbenen Ordensschwester Silja Walter besonders: „Wir leben aus und in seiner Auferstehung....“. Jesus Christus umgibt uns im Leben, immer, auch und gerade jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie. Das ist unsere Hoffnung. Das kann uns Trost sein.

Ganz ehrlich: Genügt Ihnen der damit verbundene Glaube in dieser schwierigen Zeit? Kann der Glaube uns tragen und die nötige Kraft schenken? Meine Antwort lautet eindeutig: Nein! Was hilft aber dann? Ich will Ihnen nun weder eine fromme Überlegung noch eine bibeltheologische Darlegung anbieten, sondern einfach meine eigene Erfahrung. In meinem Priesterleben gab es natürlich auch schwierige Zeiten, z.B. in Bezug zum kirchlichen Personal, die erste harte Sparwelle in meinem Heimatbistum mit sehr unbequemen Konsequenzen, Streit in der mir anvertrauten Gemeinde u.a. Geholfen hat mir da das Bewusstsein, dass ich im Gebet und Glauben verbunden war (und bin) mit vielen lieben Menschen. Zumal sie mir zugesichert hatten, solange sie leben, für mich zu beten. Gerne denke ich heute u.a. auch noch an eine alte Frau, der ich als Kaplan regelmäßig die Kommunion ins Haus brachte und mit der ich besonders verbunden war, oder an einen befreundeten Pater, der leider schon mit 71 Jahren starb. Für mich ist klar, dass sie heute in der göttlichen Welt leben und dort – auf welche Weise weiß ich nicht – für mich eintreten bei Gott. Genau das hat mir in all den Jahren die Kraft geschenkt, schwierige Situationen zu meistern und Streit zu schlichten.
Der Glaube allein reicht mir nicht, weil er auch Ausdruck finden muss im Miteinander und im Gebet füreinander. Natürlich schließe auch ich viele Menschen täglich in mein Gebet ein, fühle mich aber eben gestärkt durch das Wissen, dass viele mit mir im Gebet verbunden sind.
Dazu möchte ich Sie heute einladen: Füreinander zu beten, aber auch die Menschen nicht zu vergessen, die besonders schwer an den Folgen der Pandemie zu leiden haben, weltweit. Wenn wir im Gebet miteinander verbunden sind und bleiben, dann bekommt die Botschaft von der Auferstehung Jesu klare Konturen, dann kann stärker in uns eingehen, dass der Herr uns umgibt und bei uns bleibt, selbst über den Tod hinaus. Schließlich sind wir durch Jesus Christus miteinander verbunden. Das sollten wir nie vergessen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit, die wir alle so noch nie erlebt haben, Mut und Geduld und die Erfahrung der Nähe unseres Herrn Jesus Christus, die sich auch vermittelt durch unser Gebet füreinander und für notleidende Menschen.

Bleiben Sie gesund und seien Sie behütet von unserem Gott! Auf unser Wiedersehen freue ich mich. Seien Sie herzlich gegrüßt,

Ihr Klaus Grafe, Geistlicher Beirat KKV Viersen